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Erkläre mir als Erstes, was eine Verbindung ist, deren Sinn und Zweck:

 

Eine Verbindung ist eine Gemeinschaft Gleichgesinnter, die in fröhlicher Atmosphäre vor allem die Kontakte untereinander pflegen. Die HELVETIA ist politisch und konfessionell neutral.

Eine Verbindung hat den Zweck, ihren Mitgliedern eine Plattform zu bieten, die eine Abwechslung zum anspruchsvollen Studium darstellt, die in gemeinsamen Erlebnissen den jungen Studenten formt und ihm später eine Stütze für den harten Alltag gibt.

 

Moment, Du gibst mir Stichwörter, die ich gerne etwas hinterfragen möchte:

"fröhliche Atmosphäre" heisst doch vor allem Saufen?

 

Nein, wir wehren uns vehement gegen diese Klischeevorstellung. Sicher genehmigen wir uns bei unseren Anlässen ein paar Biere. Wer aber aus gesundheitlichen, studientechnischen, verkehrstechnischen etc. Gründen keinen Alkohol trinken kann, der darf ohne weiteres etwas Alkoholfreies zu sich nehmen. Es ist zudem Aufgabe aller, zu schauen, dass sich keine Exzesse ergeben.

 

"politisch neutral" .... sind Verbindungen nicht grundsätzlich rechts stehend ??

 

Eine weitere Klischeevorstellung. Es mag im Ausland rechtslastige Verbindungen gegeben haben und geben.

Die HELVETIA jedoch stand immer und steht heute noch zur Schweiz, zu ihrer Neutralität und Unabhängigkeit im bürgerlichen Sinne.

Darf ich, bevor Du eine weitere Frage stellst, noch einer anderen Klischeevorstellung entgegnen, und zwar der des "Verstaubtseins". Sicher pflegen wir gewisse Traditionen, sicher sind wir, wie jeder Verein, stolz auf unsere Gründer, auf das was unsere Vorfahren geleistet und erreicht haben, in der Verbindung und im Privaten. Unsere Verbindung passt sich aber laufend den heutigen Gegebenheiten in Gesellschaft und Hochschulen an, pflegt die Traditionen, die nun einmal zu einer Verbindung gehören, ist aber heute eine fröhliche, aufgeschlossene Gemeinschaft.

 

Mit der vorhin erwähnten "Plattform"; was meinst Du damit?


Eine Verbindung ist eine Gemeinschaft, in die man sukzessive hinein wächst. Als junges Mitglied ist man zuerst ca. 2 Semester lang Fuchs. Der Fuchs lernt allmählich die Verbindung, deren Sitten und Gebräuche kennen. Anschliessend wird er zum Bursch befördert. Nun kann er eine Charge - Aktuar, Quästor, oder Präsident - bekleiden und damit Verantwortung und Einfluss in der Vereinsführung übernehmen. Nach weiteren ca. 3 Semestern wird er Inaktiver und damit weitgehend von Obligatorien befreit. Nach Studienabschluss wird der Inaktive in der Regel zum Alten Herrn ernannt. Damit hat sich das Mitglied die erwähnte Plattform oder eine Basis erschaffen, die eine Stütze für den späteren Alltag bedeutet.

 

Wie meinst Du das?

 

Er hat Führen gelernt, er hat gelernt, in eine Gemeinschaft hineinzuwachsen, d.h. "unten" anzufangen - etwas das sich später immer wieder wiederholt, sei es im Militär, in einer Firma, in einem Fach- oder Sportverein etc. - er hat Freundschaften fürs Leben geschlossen, er hat ein Beziehungsnetz aufgebaut, er hat gelernt zu debattieren und zu argumentieren und er hat seinen Horizont in unzähligen Gesprächen mit Gleichaltrigen, aber anderer Studienrichtung, mit älteren, mitten im Leben stehenden erweitert.

Beachte, aus unserer Verbindung - natürlich auch aus anderen Verbindungen - sind bedeutende Persönlichkeiten, wie National- und Ständeräte, Bundesräte, hohe Militärs, Wirtschaftsführer etc. hervorgegangen.

 

Tönt das ganze nicht etwas pathetisch, ja idealisiert? Ich meine, man könnte sich das alles auch anderswo aneignen.

 

Da hast Du recht. Sicher gibt es andere Möglichkeiten. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass die Verbindung das bietet und ich dafür sehr dankbar bin. Schau: eine Verbindung ist kein Fachverein in dem sich alles um ein Thema dreht. Eine Verbindung bietet eben eine Fülle an Themen, an Möglichkeiten und Erlebnissen.

 

Erzähle mir mal noch ein wenig mehr über die schon oft erwähnten "gemeinsamen Erlebnisse".

 

Gerne. Zuerst möchte ich als zentrales Element unseren und für die Aktiven während des Se- mesters obligatorischen Stammbesuch (im Minimum eine Stunde) am Donnerstag Abend erwähnen. Der aktive Präsident führt und leitet den Abendschoppen. Es können Lieder gesungen werden, es können Kurzreferate steigen, vor allem aber findet ein reger und meist fröhlicher Gedankenaustausch statt. Das Bereichernde ist, dass auch Alte Herren daran teilnehmen.

Dann haben wir als gemeinsame Erlebnisse die Konvente an denen Vereininternas besprochen und das Semesterprogramm gestaltet werden. Wir organisieren Ausflüge, Referate, Besichtigungen, Damenanlässe. Auch die Beerdigung eines Couleurbruders ist jedesmal ein eindrückliches, wenn auch trauriges, Erlebnis. Nicht unerwähnt bleiben dürfen unsere Fechtstunden und Pauktage.

 

Ein gutes Stichwort: Ihr pflegt das studentische Fechten.


Ja, wir sind eine sogenannte schlagende Verbindung. Wir pflegen diese Tradition, weil

wir glauben, dass das Fechten ein grosses erzieherisches Moment enthält. Es gilt im wahrsten Sinne des Wortes, den Kopf hinzuhalten, denn es kann Verletzungen geben. Nebenbei bemerkt: Augen, Hals und Ohren sind geschützt; es kann also nichts Ernsthaftes geschehen. Wir fechten nie gegen eigene Mitglieder, sondern immer gegen andere schlagende Verbindungen, von denen es, die Helvetersektionen ausgenommen, noch deren 8 in der Schweiz gibt.

Das Fechten ist aus dem Duellgedanken hervorgegangen. Das Duell, eine handfeste Beleidigung muss vorliegen, ist heute eher eine Seltenheit. Um sich aber "theoretisch" darauf vorzubereiten, gilt es, das Fechten seriös auf dem sogenannten Fechtboden zu lernen und zu üben, wobei der ältere den jüngeren instruiert. Um auch den "Ernstfall" zu proben, werden an Pauktagen Bestimmungspartien ausgetragen, d.h. vereinbarte Partien mit vorgegebenen Regeln.

Wir erachten das Fechten nicht nur als sportliche Betätigung, sondern auch als elitäres Erlebnis. Wir grenzen uns dabei deutlich von andern Verbindungen ab. Wir erkennen im Fechten ein hervorragendes erzieherisches Element, das Disziplin und in gewissem Sinne Mut erfordert. Ich gebe zu, es braucht schon etwas Überwindung, mit dem Eintritt in die Helvetia, auch dazu ja zu sagen. Alle und jeder haben vor einer Partie ihre inneren Ängste zu überwinden.

Die Gewissheit auf die Hilfe der Couleurbrüder zählen zu dürfen erleichtert und die Erleichterung nach durchgestandener Prüfung ist ein sensationelles, ganz persönliches Erlebnis.

 

Du hast vorhin von Couleurbrüdern gesprochen. Was verstehst Du darunter?

 

Jede Verbindung kennzeichnet sich mit Farben. Die unsrigen sind karmoisinrot – weiss – karmoisinrot. Wir tragen die "Farben" in Form eines Bandes und einer karmoisinroten Mütze. Früher wurden die Farben von den Aktiven an den Hochschulen getragen, heute nur noch am Stamm und an offiziellen und an internen Anlässen. Nun verstehst Du vielleicht auch, was es heisst: "Farbe bekennen". Man steht zu etwas, hier zur Verbindung und deren Ideale, man steht für die Gemeinschaft ein, symbolisiert in den Farben. Das französische Wort "Couleur" steht für Farbe. Somit sind unsere Mitglieder Couleurbrüder, die Couleur tragen.

 

Bitte noch ein Wort zu den Alten Herren

 

Wie gesagt, nach der Aktivzeit tritt der Inaktive als Alter Herr in den Altherrenverband über. Er ist nun frei von jeglichen Verpflichtungen. Er kann nun das "ernten", was er als Aktiver "gesät" hat. Er trifft am Stamm, ohne vorherige Vereinbarungen, immer Bekannte, er trifft sich mit jungen Studenten und hält so den Kontakt zur Jugend. Auch wenn es ihn beruflich in einen andern Ort der Schweiz verschlägt, bestimmt befindet sich ein Helveterstamm in seiner Nähe.

 

Du hast mir einen recht guten Einblick in das Verbindungsleben gegeben. Was möchtest Du noch ergänzen?

 

Bevor ich versuche, eine Zusammenfassung zu geben, möchte ich noch folgende Punkte streifen:

Die gesamtschweizerische Helvetia besitzt mit dem etwa 10 x pro Jahr erscheinenden Helveterblatt eine Zeitschrift, in der fachliche und politische Artikel sowie Beiträge aus dem Verbindungsleben aller Sektionen publiziert werden.

Wie die Sektionen in Bern und Lausanne besitzt auch Zürich im Kreis 1 an der Chorgasse 10, Seilergraben 9 ein eigenes Verbindungshaus mit einem kleinen Restaurant, in dem sich unser Stammtisch befindet, mit unserem Vereinslokal, der Kneip, im 2. Stock und mit Einzelzimmern. Die Helvetia ist politisch und konfessionell neutral, sie nimmt in ihre Reihen Schweizer Studenten immatrikuliert an der Universität, an der ETH oder neu auch an einer Fachhochschule auf. Zusammenfassend möchte ich sagen: Die Helvetia bietet in lockerer, fröhlicher Art ihren Mitgliedern einen idealen Ort der Entspannung, den jungen Mitgliedern die Möglichkeit, das eigene Beziehungsfeld zu erweitern, den Erfahrungsaustausch, unabhängig von Alter, Studienrichtung und Beruf zu pflegen, sich in der Menschen- und Vereinsführung zu bewähren, eine Konstanz im Beziehungsfeld und im Freundeskreis aufzubauen, unabhängig des späteren Wohnortes und unabhängig davon, wie das spätere Leben verlaufen wird.

Was wir von den Mitgliedern erwarten, sind Engagement und Zuverlässigkeit.

 

Besten Dank für Deine Ausführungen.

 

Wichtige Mitteilung!

Der Hirschberg hat Sommerpause, deshalb findet der Sommer-Stamm bis am 19. August im Restaurant Weisses Kreuz statt.

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